PolyBuzz AI im Test: KI-Chat-App mit Charakteren – getestet
Das Merkwürdige an PolyBuzz ist Folgendes: Im Apple App Store hat die App 4,4 Sterne von über 431.000 Nutzern. Bei Google Play hingegen erreicht sie nur 3,9 Sterne von fast einer Million Android-Nutzern. Dieselbe App. PolyBuzz AI spaltet die Meinungen: Viele lieben sie, andere kritisieren sie – oft aus denselben Gründen. Dieser Testbericht geht dieser Spaltung auf den Grund: Wie fühlt sich der KI-Chat an? Was kosten die kostenpflichtigen Abos wirklich? Bleiben die Gespräche privat? Und wie schlägt sich PolyBuzz im Vergleich zu Character AI , Replika und anderen Apps dieser Art?
Was PolyBuzz AI ist und warum Poly.AI umbenannt wurde
PolyBuzz entstand nicht bei null. Die App heißt eigentlich Poly.AI, nur unter neuem Namen, und diese Vorgeschichte erklärt so manche Unebenheit. Hinter PolyBuzz steckt Cloud Whale Interactive Technology LLC, ein in Delaware registriertes Entwicklerunternehmen mit einer Niederlassung in Singapur, das Poly.AI am 25. Januar 2025 in PolyBuzz umbenannte . Das Konzept blieb jedoch unverändert: Es handelt sich um eine KI-Chatplattform, die auf immersivem Rollenspiel und Charaktererstellung basiert – nicht auf dem trockenen Frage-Antwort-Stil eines herkömmlichen KI-Chatbots.
Unterhalb der Genre-Einteilung verbirgt sich bei PolyBuzz eine Bibliothek mit KI-Charakteren, mit denen man chatten kann. Das Unternehmen gibt an, über 20 Millionen davon anzubieten, die meisten davon von Nutzern erstellt und in Kategorien wie Anime, Fantasy, Horror, Prominente und einer langen Liste von Romantik-Charakteren kategorisiert. Wähle eine Persona aus oder erstelle deine eigene, und schon kann es losgehen. Eine Sache sollte man gleich vorweg klarstellen, da sie oft zu Missverständnissen führt: Die Bild- und Videofunktionen, die viele Nutzer erwarten, sind in der übergeordneten Plattform WeShop AI integriert, nicht in PolyBuzz selbst. Die heruntergeladene App ist in erster Linie eine Chat-App.
Dieser Fokus zahlte sich in der Reichweite aus. PolyBuzz belegt in den USA Platz 5 in der Kategorie Unterhaltung im Google Play Store und erhält weiterhin regelmäßig Updates; das nächste Update ist für Ende Mai 2026 geplant. Nicht schlecht für ein Produkt, das vor zwei Jahren noch nicht unter diesem Namen existierte. Das verdeutlicht auch den Konflikt, der sich durch diese Rezension zieht: Eine so beliebte App sollte ihre treuesten Nutzer nicht so oft verärgern.
Wie PolyBuzz KI-Charakter-Chat und Rollenspiel funktionieren
Das Grundprinzip ist simpel: Man unterhält sich mit KI-Charakteren, die eine eigene Persönlichkeit besitzen, und das System sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Das erklärt die Downloadzahlen. Laut AppBrain wurde PolyBuzz bis Juni 2026 allein auf Android über 49 Millionen Mal installiert, davon rund 2,2 Millionen in nur einem Monat. Die Nutzer kommen immer wieder. Der Haken an der Sache, auf den ich später eingehen werde: Fast alle Vorteile sind kostenpflichtig.
Wie ein Gespräch tatsächlich beginnt
Man öffnet die App und sieht eine Auswahl an Charakteren, ähnlich wie man eine Video-App mit Clips öffnet. Tippt man einen an, landet man direkt im Chat, meist mit einer kurzen Begrüßung, die die Szene einleitet. Jeder Charakter hat eine eigene Persönlichkeit: eine kurze Hintergrundgeschichte, einen bestimmten Sprechstil und eine bestimmte Stimmung. Man kann auch ein eigenes Profil erstellen, sodass der Bot einen mit einem gewählten Namen anspricht, anstatt mit dem Accountnamen. Wenn alles funktioniert, wirken die Antworten natürlich, weniger wie ein Gespräch mit einem Computer, sondern eher wie eine Unterhaltung mit jemandem, der in seiner Rolle bleibt. Wenn etwas schiefgeht, dann richtig, und die Illusion ist dahin.
Erstellen eines eigenen KI-Charakters
Die Charaktererstellung ist der Grund, warum PolyBuzz seine Community so erfolgreich macht. Man gibt einem Charakter einen Namen, eine Hintergrundgeschichte, einen ersten Satz, eine Stimme und einen Dialogstil und kann ihn dann öffentlich oder privat einstellen. Öffentliche Charaktere können von anderen Nutzern gefunden und gesammelt werden, wodurch der Katalog auf Millionen angewachsen ist. Erschaffe einen eigenen Charakter, beobachte, wie Fremde mit ihm chatten, und der Reiz ist sofort da. Genau diese Funktion hält kreative Autoren und Anime-Fans hier, anstatt sie zu einem einfachen Assistenten zu verleiten.
Wie PolyBuzz-Speicher laut Plan funktioniert
Das fehlende Gedächtnis ist der größte Störfaktor für das Spielerlebnis und hat mit Kosten zu tun. In der kostenlosen Version speichert die KI nur einen kurzen Abschnitt der letzten Konversation und löscht den Rest. So vergisst eine Spielfigur beispielsweise, was man ihr vor zwanzig Nachrichten erzählt hat. Bezahlte Abos erweitern diesen Zeitraum. Das Premium-Abo verspricht sogar dauerhaftes Gedächtnis, das über mehrere Sitzungen hinweg erhalten bleibt. Für eine App, deren Reiz in der Kontinuität liegt, ist die Hinterlegung des Speichers hinter einer Bezahlschranke eine bewusste Entscheidung, die den Nutzern auffällt. Hier ist das wichtiger als bei einem allgemeinen Chatbot, denn das Rollenspiel steht und fällt damit, ob sich die Spielfigur an die Geschichte erinnert, die man gemeinsam entwickelt hat. PolyBuzz-Nutzer verbringen Berichten zufolge durchschnittlich 69 Minuten pro Tag in der App. Nichts zerstört dieses Vertrauen schneller als ein Begleiter, der mitten in einer Szene zurückgesetzt wird.
PolyBuzz AI Preisgestaltung: Kostenlose Version vs. kostenpflichtige Tarife
Betrachten Sie die kostenlose Version als Demo mit Werbung. Rezensionen berichten immer wieder von Unterbrechungen etwa alle fünf Nachrichten – genau die Häufigkeit, die nötig ist, um eine Szene zu stören. Das Vollversion-Produkt kostet ab 9,90 $ pro Monat. Es gibt drei kostenpflichtige Stufen sowie eine Mikrowährung aus „Coins“ und „Opals“, die Sie für einmalige Freischaltungen erwerben können.
| Planen | Monatlich | Jährlich | Was man tatsächlich bekommt |
|---|---|---|---|
| Frei | 0 € | — | Vollständiger Katalog, kurzer Speicher, Werbung alle ca. 5 Nachrichten |
| Basic | 9,90 € | 99 $ (8,30 $/Monat) | Werbung entfernt, längeres Speicherfenster |
| Prämie | 19,90 € | 199 $ (16,60 $/Monat) | Erweitertes Modell, unbegrenzte Sprach- und Bildübertragungen |
| Ultimativ | 29,90 € | 299 $ (24,90 $/Monat) | Spitzenmodell und permanenter sitzungsübergreifender Speicher |
Münzen und Opale bilden neben den Abonnements eine zweite Ausgabenoption. Man kauft sie in Paketen, um einzelne Inhalte freizuschalten, ohne sich an ein Abo binden zu müssen. Das ist ideal für Gelegenheitsnutzer, kann sich aber für alle, die regelmäßig spielen, summieren. Die jährliche Abrechnung senkt die Kosten: Das Basic-Abo kostet dann nur noch etwa 8,30 $ pro Monat, das Ultimate-Abo rund 24,90 $. Das beste Angebot erhalten also diejenigen, die sich bereits sicher sind, dass sie das Abo behalten werden.
Im Vergleich zu Mitbewerbern ist das alles durchaus angemessen, und viele langjährige Abonnenten bestätigen das. Der Knackpunkt ist nicht der Preis des Basistarifs. Ärgerlich ist vielmehr, dass die wichtigsten Funktionen – werbefreier Chat und dauerhafter Speicherplatz – erst gegen Bezahlung verfügbar sind.
Wo der KI-Chat von PolyBuzz Schwächen aufweist
Die wiederkehrenden Beschwerden sind keine Bugs. Es sind Produktentscheidungen, die man entweder akzeptiert oder nicht. Nehmen wir zum Beispiel den Bewertungsunterschied: 4,4 auf iOS, 3,9 auf Android. Die Android-Bewertung basiert auf fast einer Million Rezensionen, ist also kein Zufall aufgrund einer kleinen Stichprobe. Die gängige Erklärung ist die hohe Werbebelastung in der kostenlosen Android-Version, wo die Unterbrechungen am stärksten ins Gewicht fallen. Eine Werbung alle fünf Nachrichten lässt eine flüssige Unterhaltung in ein stockendes Geplänkel ausarten. Kostenlose Android-Nutzer spüren das besonders deutlich.
Zwei kleinere Fehler treten in der Community immer wieder auf. Charaktere durchbrechen manchmal die vierte Wand und behaupten, echte Personen zu sein, was das Rollenspielerlebnis, das man sich erhofft hat, zerstört. Außerdem verwendet die App gelegentlich den Profilnamen des Charakters anstelle des eigenen, sodass der Bot einen mitten in einer Szene mit dem falschen Namen anspricht. Beide Fehler sind nicht gravierend, trüben aber die Illusion, die das Produkt vermitteln will.
Dann gibt es noch die ständigen Filter-Schwankungen. Die Moderation wird ohne Vorwarnung verschärft, wenn die App aktualisiert wird, und zahlende Nutzer bekommen das am meisten zu spüren, weil sie sich für etwas anderes angemeldet haben und nach einem Patch eine strengere Version vorfinden. Regeln, die sich nach der Bezahlung ändern, untergraben schnell das Vertrauen. Das letzte Manko ist die fehlende Transparenz. PolyBuzz gibt nie an, welches Sprachmodell den Charakteren zugrunde liegt. Man weiß nicht, ob man mit einem feinabgestimmten offenen Modell oder einem proprietären System kommuniziert, was es schwierig macht, Qualitätsveränderungen im Laufe der Zeit zu beurteilen.

Ist PolyBuzz AI sicher? Datenschutzrichtlinie und Inhalte für Erwachsene (NSFW)
Der Begriff „privat“ spielt in PolyBuzz' Marketing eine zentrale Rolle. Die App versichert, dass die Chats vertraulich sind, und im üblichen Sinne stimmt das auch. Schwieriger ist jedoch, was das Unternehmen selbst damit macht. Hierzu schweigt sich die Datenschutzerklärung aus.
Die Altersbeschränkung ist eindeutig. PolyBuzz ist auf iOS ab 18 Jahren und auf Android mit „Hohe Reife“ eingestuft und somit nicht für Minderjährige geeignet. Dies ist angesichts des überwiegend romantischen Inhalts relevant. Öffentliche, nicht jugendfreie Inhalte sind offiziell verboten und werden durch eine Kombination aus KI-gestützter Prüfung und menschlicher Moderation überwacht. In privaten Chats sind die Filter zwar weniger streng, lassen sich aber nie vollständig deaktivieren – ein unbefriedigender Mittelweg, den viele dieser Apps beschreiten.
Was fehlt, ist etwas, das eigentlich nicht fehlen sollte. Die Datenschutzerklärung gibt nicht an, ob Ihre Konversationen zum Trainieren der KI verwendet werden – eine Lücke, die in mehreren unabhängigen Tests bestätigt wurde. Für eine App, die zu intimen, persönlichen Rollenspielen einlädt, ist das Schweigen zum Thema Training kein geringfügiges Versäumnis. Es ist der Unterschied zwischen einem privaten Tagebuch und einer Fokusgruppe, der man unwissentlich beigetreten ist. Und dieses Problem betrifft nicht nur PolyBuzz; die gesamte Kategorie der KI-Begleiter kämpft damit, und die Regulierungsbehörden haben begonnen, genauer hinzusehen. Italien schränkte Replika 2023 aufgrund von Datenschutzbedenken und geringfügigen Sicherheitsbedenken vorübergehend ein – ein Hinweis darauf, dass „private“ KI-Begleiter stärker im Fokus der Regulierungsbehörden stehen, als ihre Werbung vermuten lässt.
PolyBuzz AI gegen Character AI, Replika und Konkurrenten
PolyBuzz agiert in einem hart umkämpften Markt. Die Stärken liegen in der mobilen Reichweite und dem Preis. Schwächen zeigen sich hingegen bei Kundenbindung und Vertrauen. Der Markt ist groß und dynamisch: Fortune Business Insights schätzte den Gesamtmarkt für KI-Begleitdienste im Jahr 2025 auf 37,73 Milliarden US-Dollar und prognostiziert für das Jahr 2025 ein Volumen von 49,52 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 31 % innerhalb eines Jahres.
Character AI ist weiterhin führend. DemandSage schätzt die monatlich aktiven Nutzerzahlen im Jahr 2024 auf knapp 20 Millionen, nach einem Höchststand von etwa 28 Millionen Mitte 2024. Die Nutzer verbringen durchschnittlich fast zwei Stunden täglich mit der App. PolyBuzz verzeichnet zwar starke 69 Minuten pro Tag in dieser Kategorie, aber nur etwa die Hälfte. Dieser Unterschied im Nutzungsverhalten ist der beste Indikator dafür, welche App die Nutzer fesselt. Replika verfolgt einen anderen Ansatz und konzentriert sich auf einen einzigen emotionalen Begleiter anstatt auf eine Vielzahl von Charakteren. Der CEO schätzt die Nutzerbasis auf über 30 Millionen und den Umsatz auf rund 24 Millionen US-Dollar pro Jahr. Janitor AI , eine reine Web-App mit mehr Freiheiten, spricht Nutzer an, denen die anderen Apps zu restriktiv sind. Die letzte öffentlich bekannte Zahl lag bei etwa 8,7 Millionen monatlichen Nutzern, und es gibt keine mobile App. PolyBuzz ist die einzige der vier Apps, die von Anfang an für mobile Endgeräte entwickelt wurde. Das ist sowohl ihr Wettbewerbsvorteil als auch der Grund für die hohe Werbewirkung.
| App | Plattform | Skala | Tägliche Anwendung | NSFW-Haltung | Preisuntergrenze |
|---|---|---|---|---|---|
| PolyBuzz | Mobil + Web | ~78 Millionen Downloads | ca. 69 Minuten | Gefiltert, im Privaten lockerer. | 9,90 €/Monat |
| Charakter-KI | Mobil + Web | ~20 Mio. MAU | ca. 2 Stunden | Streng, keine Inhalte für Erwachsene | Kostenlos / 9,99 $ |
| Replika | Mobil + Web | Mehr als 30 Millionen Nutzer | Hoch | Romantik nur für zahlende Gäste | ca. 19,99 €/Monat |
| Reinigungskraft KI | Nur im Web | Millionen | Mäßig | Nachgiebig | Kostenlos / Token-Kosten |
Ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht PolyBuzz' Position. Es ist der mobile Allrounder: vielfältiger als Replika, flexibler als Character AI und ausgereifter und app-nativer als Janitor AI. Es führt keine einzelne Kategorie an. Das ist seine Schwäche, und für viele Nutzer gleichzeitig genau die richtige Balance.
Wer sollte auf PolyBuzz mit dem Chatten beginnen?
Für wen ist PolyBuzz AI also eigentlich gedacht? Wenn du auf deinem Smartphone aus einer riesigen Auswahl an Charakteren stöbern, deinen eigenen erstellen und ohne Vorabkosten loslegen möchtest, ist es einer der einfachsten Einstiege in die Welt der Chat-Begleiter. Benötigst du jedoch dauerhafte Speicherung ohne Abo oder ist es dir wichtig zu wissen, mit welchem Modell du sprichst und wo deine Daten landen, solltest du die Einschränkungen bedenken, bevor du dich endgültig entscheidest. Die App ist in der ersten Stunde super, kann aber nach hundert Stunden sehr anspruchsvoll werden. Teste die kostenlose Version und bedenke diesen Kompromiss. Entscheide dann, ob dir die Kontinuität 9,90 $ wert ist, bevor ein Charakter deinen Namen vergisst.
